Gewitter hinterlässt Schneise der Verwüstung
Rosenheim/Landkreis - Ein schweres Unwetter mit Hagel, Starkregen und orkanartigen Windböen hat am Mittwoch eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Bilanz in Stadt und Landkreis Rosenheim: 45 Verletzte, die Schäden gehen in die Millionen.
Das Unwetter kam rasend schnell und seine Folgen waren auch gestern noch zu sehen. An zahllosen Orten im Stadt- und Landkreisgebiet waren die Kollegen der Bauhöfe, der Stadtgärtnerei und Feuerwehren mit Aufräumarbeiten beschäftgt. Neben entwurzelten Bäumen, abgedeckten Häusern, mit Wasser voll gelaufenen Kellern, demolierten Autos und auf den Badeseen losgerissenen Booten gehört auch ein abgebranntes Mehrfamilienhaus in Obing (verursacht durch Blitzschlag, Schaden 150.000 Euro) zur Bilanz eines der verheerendsten Unwetter der vergangenen Jahrzehnte.
Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer fehlten gestern noch die Worte für das, was sich am Mittwoch gegen 16 Uhr über ihrer Stadt zusammenbraute. "Letztes Jahr hatten wir genau um diese Zeit ein entsetzliches Hochwasser. Auch damals waren wir in großer Gefahr." Aber das Chaos, das der Sturm am Mittwoch anrichtete, und vor allem dessen Auswirkungen für Land- und Forstwirtschaft sowie für Privatleute seien einfach nur "entsetzlich, verheerend".
Auch Landrat Josef Neiderhell war die Erschütterung und Erschöpfung angesichts einer durchwachten Nacht gestern deutlich anzumerken. Gegen 15 Uhr, so Neiderhell, sei ihm und dem Katastrophenschutzstab am Mittwoch klar geworden, "dass es höchstwahrscheinlich kommt". Das Unwetter sei rasend schnell unterwegs gewesen, die Berichte aus dem Tölzer Land und dem Staffelsee ließen nichts Gutes ahnen. "Wir haben dann noch den Hagelflieger aufsteigen lassen", erzählt Neiderhell, doch habe der angesichts der enormen Unwetterfront nur wenig ausrichten können: "Da hätten wir fünf Hagelflieger gebraucht." Den Bauhofmitarbeitern, die am Mittwoch eigentlich um 16 Uhr in Feierabend hätten gehen dürfen, wurde gesagt: "Bleibt's da!" Und dann, so Neiderhell, sei die Hölle losgebrochen. Der Riederinger Bauhof wurde zur Feuerwehrzantrale, von dort wurden die "mindestens 60" am Einsatz teilnehmenden Landkreis-Feuerwehren sternförmig verteilt. In der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd gingen im Unwetterzeitraum mehr als 800 Notrufe ein.
Polizeisprecher Dieter Bezold spricht von einer "Unwetterwalze", der dann eine "Notrufwalze" gefolgt sei. In Riedering, das vom Sturm besonders heftig getroffen wurde, brach kurzzeitig sogar das Telefonnetz zusammen. Im Stadtgebiet war es für die Rettungskräfte zeitweise unmöglich, voran zu kommen - der Verkehr staute sich Kilometer lang. Für eine Suchaktion am Happingerausee mussten die Rettungstaucher per Hubschrauber eingeflogen werden.
Letztlich, das betonen sowohl Oberbürgermeisterin Bauer als auch Landrat Neiderhell, sei das Unwetter aber dennoch glimpflich ausgegangen. Bauer: "Natürlich, die Schäden sind riesig, aber das Verhältnis zum Menschenleben ist doch wichtiger."
Am schlimmsten traf es der Polizei zufolge einen Riederinger, der in seinem Gartenhäuschen sitzend von einem Baum getroffen wurde. Der Mann musste schwerst verletzt in ein Krankenhaus geflogen werden.
Die Suchaktion nach einem zunächst als vermisst gemeldeten Kind am Happingerausee verlief zwar ergebnislos, jedoch geht die Polizei davon aus, dass der Vater das Kind rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Jedenfalls hätten sich die Eltern des Kindes seitdem nicht mehr bei der Polizei gemeldet.
In Rosenheim und in Prien riss der Sturm Erdbeerverkaufshäuschen mit. Dabei verwehte es nicht nur die Tageseinnahmen. Einer verletzten Verkäuferin, die im Chaos ihre Geldbörse für einen kurzen Moment unbeaufsichtigt gelassen hatte, fehlten am Ende 180 Euro.
Umgestürzte Bäume behinderten noch bis gestern Abend die Bahnstracke Rosenheim-Salzburg. Neben dem baustellenbedingten Schienenersatzverkehr zwischen Übersee und Traunstein mussten Reisende nach dem Unwetter auch zwischen Rosenheim und Bad Endorf in Busse umsteigen - Verspätungen und tumultartige Szenen wegen viel zu wenig Bussen inklusive.
Oberbürgermeisterin Bauer konnte sich am Mittwochabend angesichts der dramatischen Geschehnisse nur eher schlecht als recht auf ihren Auftritt beim Panger Volksfest konzentrieren. Unumwunden gab sie gestern zu: "Das Anzapfen ist mir total misslungen. Aber ganz ehrlich, irgendwie war mir das in dem Moment echt egal."
Stefanie Zipfer (Oberbayerisches Volksblatt)
Quelle: www.rosenheim24.de
Quelle: www.youtube.de Laserman10
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